„Where writing runs into death…” – Ars moriendi nova in Wolfgang Herrndorfs Blog "Arbeit und Struktur" (2010-2013)
DOI:
https://doi.org/10.18778/2196-8403.2017.04Schlagwörter:
Wolfgang Herrndorf, Online-Tagebuch, Autothanatographie, ars moriendiAbstract
Der vorliegende Beitrag setzt sich zum Ziel, das 2013 in Buchform veröffentlichte Weblog Wolfgang Herrndorfs (1965-2013) Arbeit und Struktur als eine Autothanatographie zu analysieren, d.h. als einen Text, in dessen Zentrum die Auseinandersetzung des Ichs mit seinem Sterben und Tod steht. Dabei wird das Online-Diarium als ein literarisches Dokument der ars moriendi nova betrachtet. Diese begegnet dem Phänomen der Sterblichkeit mit der Infragestellung althergebrachter religiös vermittelter Konzepte, klammert die Hoffnung auf ein Jenseits aus, verwandelt das in der traditionellen ars moriendi dominierende religiöse Bekenntnis in ein „Bekenntnis zur eigenen Biografie und den darin gelebten Glaubensvorstellungen“ und plädiert für das Recht auf einen selbstbestimmten Tod angesichts einer irreversiblen Krankheit und unerträglich gewordener Leiden.
Literaturhinweise
ARNOLD, UWE-CHRISTIAN (2014): Letzte Hilfe. Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben. Reinbek bei Hamburg.
BERNING, NORA (2017): Critical Ethical Narratology as an Emerging Vector of Narrative Theory and Autobiographical End-of-Life Stories. In: HANSEN, PER KROGH / PIER, JOHN / ROUSSIN, PHILIPPE (eds.): Emerging Vectors of Narratology. Berlin, 127-152. DOI: https://doi.org/10.1515/9783110555158-007
BURK, MAXIMILIAN (2015): ‚dem Leben wie einem Roman zu Leibe rücken‘. Wolfgang Herrndorfs Blog Arbeit und Struktur. In: KLAPPERT, ANNINA (ed.): Wolfgang Herrndorf. Weimar, 85-100.
CADUFF, CORINNE (2013): Szenen des Todes. Essays. Basel.
DUSINI, ARNO (2005): Tagebuch. Möglichkeiten einer Gattung. München.
GÄRTNER, MARCUS / PASSIG, KATHRIN (2015): Nachwort. In: HERRNDORF, WOLFGANG: Arbeit und Struktur. Berlin, 461-463.
GERHARDT, PAUL: O Haupt voll Blut und Wunden. In: http://www.bach-cantatas.com/Texts/Chorale071-Eng3.htm (27.09.2018).
HERRNDORF, WOLFGANG (2015): Arbeit und Struktur. Berlin. Auch online einsehbar unter der Adresse http://www.wolfgang-herrndorf.de/ (30.09.2016).
JAŚTAL, KATARZYNA (2018): Wolfgang Herrndorfs Arbeit und Struktur. Autobiografisches Schreiben am Rande des Lebens. In: KITA-HUBER, JADWIGA / KUPCZYŃSKA, KALINA (eds.): Autobiografie intermedial. Bielefeld, 459-469.
KALFF, SABINE / VEDDER, ULRIKE (2016): Tagebuch und Diaristik seit 1900. In: Zeitschrift für Germanistik 53, H. 2:235-242. DOI: https://doi.org/10.3726/92153_235
LEJEUNE, PHILIPPE (2009): On Diary. Translated by Katherine Durnin. Honolulu. DOI: https://doi.org/10.1515/9780824863784
LUCIUS-HOENE, GABRIELE / SCHEIDT, CARL EDUARD (2017): Bewältigen von Erlebnissen. In: MARTÍNEZ, MATÍAS (ed.): Erzählen. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart, 235-242. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-476-05364-0_35
LÜBBE, HERMANN (1998): Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung. In: GRAEVENITZ, GERHART VON / MARQUARD, ODO (eds.): Kontingenz, Bd. XVIII. Poetik und Hermeneutik. München, 35-47.
MANGOLD, IJOMA (2013): Wolfgang Herrndorf: 17.9.2011 18: 29 Ich schlafe mit der Waffe in der Faust, ein sicherer Halt, als habe jemand einen Griff an die Realität geschraubt. In: Zeit Online vom 13. Dezember 2013. http://www.zeit.de/2013/49/wolfgang-herrndorf-tagebuch (02.10.2016).
MICHELBACH, ELISABETH (2016): „Dem Leben wie einem Roman zu Leibe rücken“. Wolfgang Herrndorfs Blog und Buch Arbeit und Struktur zwischen digitalem Gebrauchstext und literarischem Werk. In: KREKNIJ, INNOKENTIJ /MARQUARD, CHANTAL (eds.): Das digitalisierte Subjekt. Grenzbereiche zwischen Fiktion und Alltagswirklichkeit. Sonderausgabe von Textpraxis. Digitales Journal für Philologie. http://www.unimuenster.de/textpraxis/elisabeth-michelbach-wolfgang-herrndorfs-arbeit und struktur (02.10.2016).
NEUFELD, ANNA KATHARINA (2016): Zwischen Sprachzerfall und Spracherhalt. Zum paradoxen Stimmengefüge in Texten von Tom Lubbock und Wolfgang Herrndorf. In: Hermeneutische Blätter 2/16:80-92.
PAUER, NINA (2013): Wolfgang Herrndorf. Er war krank, was sind wir? In: Zeit Online vom 13. Dezember 2013. http://www.zeit.de/2013/50/wolfgang-herrndorf-tage-buch (02.10.2016).
ROSER, TRAUGOTT (2012): Ars moriendi nova aus Sicht von Theologie und Spiritual Care. Perspektiven zum Sterben. Auf dem Weg zu einer Ars moriendi nova? In: SCHÄFER, DANIEL / MÜLLER-BUSCH, CHRISTOPH / FREWER, ANDREAS (eds.): Perspektiven zum Sterben. Auf dem Weg zu einer Ars moriendi nova? Stuttgart, 171–179.
RUCHARZ, JENS (2013): Vom Tagebuch zum Onlinejournal. In: HALFT, STEFAN / KRAH, HANS (eds.): Privatheit. Strategien und Transformationen. Passau, 105-119.
SCHLINGENSIEF, CHRISTOPH (2009): So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein. Tagebuch einer Krebserkrankung. Köln.
SIEGEL, ELKE (2016): „Die mühsame Verschriftlichung meiner peinlichen Existenz.“ Wolfgang Herrndorfs „Arbeit und Struktur“ zwischen Tagebuch, Blog und Buch. In: Zeitschrift für Germanistik. Vol. 26/ H. 2 (2016), 348-372. DOI: https://doi.org/10.3726/92153_348
SONNTAG, SUSAN (1981): Krankheit als Metapher. Aus dem Amerikanischen von Karin Kersten, Caroline Neubaur. Frankfurt a. M.
STREECK, NINA (2016): Nicht für immer. Ars moriendi nova – Sterbekunst ohne Jenseitsperspektive. In: Hermeneutische Blätter 1/2016:150-160.
WEHRLI,HANS / SUTTER,BERNHARD /KAUFMANN, PETER (eds.; 2012): Der organisierte Tod. Sterbehilfe und Selbstbestimmung am Lebensende – Pro und Contra. Zürich.
Downloads
Veröffentlicht
Ausgabe
Rubrik
Lizenz

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International.
