Räume der Relationalität und Temporalität in LUTZ SEILERS Stern 111
DOI:
https://doi.org/10.18778/2196-8403.S2.07Schlagwörter:
Relationalität, Temporalität, Utopie, Neoliberalismus, Wende, Berlin-Roman, LUTZ SEILERAbstract
LUTZ SEILERS Roman Stern 111 (2020) folgt den sehr unterschiedlichen Erfahrungen eines Ehepaars aus dem thüringischen Gera und ihres erwachsenen Sohns, Carl, über einen Zeitraum von sechzehn Monaten unmittelbar nach dem Mauerfall. Am Beispiel der Eltern, die sich Richtung Westen aufmachen, werden u.a. soziale Muster des kapitalistischen Systems kritisiert. Der Sohn macht dagegen die Erfahrung eines alternativen sozialen Modells, als er sich in Berlin-Mitte der dortigen Hausbesetzerszene anschließt. Zwar befinden sich die konvivialistischen Beziehungsstrukturen zwischen den Hausbesetzern und ihrer Umwelt bald wieder in Auflösung, doch führt dieses Scheitern zur Entwicklung Carls zu einem sich seiner Relationalität bewussten Ich. Das lässt sich als ‚Poetik des Scheiterns‘ fassen, denn im Scheitern des sozialen Modells wird eine Temporalität geschaffen, in der neue Dynamiken und Beziehungsgeflechte entstehen können. Es entsteht eine ästhetische Eigenzeit: ein Raum von Freiheit, der weitere Möglichkeiten des Zusammenlebens vorstellbar macht.
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